1Walter Moser u.a. : Sektion 19 : Zwischenliterarische Beziehungen, in : Michael S. Batts : Alte Welten – Neue Welten. Akten des IX. Kongresses der Internationalen Vereinigung für germanische Sprach- und Literaturwissenschaft (IVG). Tübingen 1996, Bd. 3, S. 27.
2Im Sinne der Bezeichnung eines Teilfaches, verwende ich (entgegen dem Usus bei vielen Publikationen) durchgehend Großschreibung, wie dies etwa auch bei der Bezeichnung Neuere Deutsche Literaturwissenschaft angezeigt ist.
3Je nach Universität findet sich die Bezeichnung Interkulturelle Germanistik (z. B. Bayreuth und Karlsruhe) oder Interkulturelle Literaturwissenschaft (z. B. Hamburg). In den folgenden Ausführungen werden beide Begriffe synonym verwandt.
4An der Universität Bayreuth wurde erstmals im Jahre 1986 das Fachstudium Deutsch als Fremdsprache eingerichtet.
5Zu den Gründungsmitgliedern der Gesellschaft für Interkulturelle Germanistik gehörten Alois Wierlacher, der zunächst den DAF-Bereich, später das Fach Interkulturelle Germanistik in Bayreuth vertreten hat, sowie die Karlsruher Literaturwissenschaftler Götz Großklaus und Bernd Thum.
6Alois Wierlacher : « Einführung », in : Ders. (Hg.) : Perspektiven und Verfahren interkultureller Germanistik. Akten des 1. Kongresses der Gesellschaft für Interkulturelle Germanistik. München 1987, S. 13-17, hier : S. 13 f.
8Zu einer ausführlichen Darstellung der Entwicklungsgeschichte der Interkulturellen Germanistik : Alois Wierlacher : « Zur Entwicklungsgeschichte und Systematik interkultureller Germanistik (1984 – 1994). Einige Antworten auf die Frage : Was heißt interkulturelle Germanistik ? », in : Jahrbuch Deutsch als Fremdsprache 20/1994, S. 37-56.
9Programmatisch sind hier schon die Titel der Publikationen. Vgl. hierzu : Alois Wierlacher (Hg.) : Das Fremde und das Eigene. Prolegomena zu einer interkulturellen Germanistik. München 1985. Oder : Gerhard Bechtold/Bernd M. Scherer : « Fremdes und Eigenes – oder wie man einander mißverstehen kann. Annäherungsversuche an zentrale Begriffe interkultureller Kommunikation », in : Alois Wierlacher (Hg.) : Perspektiven und Verfahren interkultureller Germanistik, S. 303-323.
10Vgl. hierzu ausführlich : Norbert Mecklenburg : « Über kulturelle und poetische Alterität. Kultur- und literarhistorische Grundprobleme einer interkulturellen Germanistik », in : Wierlacher (Hg.) : Perspektiven, S. 563-584, insbesondere S. 564ff.
11Hierzu ausführlich : Bernd Thum : « Einleitung », in : Ders. : Gegenwart als kulturelles Erbe. Ein Beitrag der Germanistik zur Kulturwissenschaft deutschsprachiger Länder. München 1985, S. XV-LXVII, hier insbesondere Kap. 3. : Aufgaben im Rahmen allgemeiner Kulturwissenschaft : ‘Kulturthemen’, S. XXXIIff.
12Wie stark gerade bei den Kulturthemen interdisziplinär zusammengearbeit wird, zeigt etwa der jüngst erschienene Sammelband zum Kulturthema Essen : Hans Jürgen Teuteberg u.a. (Hg.) : Essen und kulturelle Identität. Europäische Perspektiven. Berlin 1997.
13Von diesem Verständnis ausgehend wurde etwa eine Professur für Interkulturelle Literaturwissenschaft im Bereich Deutsch als Fremdsprache an der Universität München eingerichtet.
14Alois Wierlacher : « Einführung », in : Ders. (Hg.) : Perspektiven, S.15.
15In einigen Publikationen wird die Bezeichnung Interkulturelle Germanistik auch als Synonym für Deutsch als Fremdsprache eingesetzt, was die bisherigen Bemühungen, die Interkulturelle Germanistik als neuen Schwerpunkt zu konturieren, unterläuft. So heißt es etwa bei Otto Lorenz : « Nachdem die jeweils begrenzten Möglichkeiten des Experimentierens mit grammatischen, pattern-drill und kommunikativen Methoden ausgereizt scheinen, sucht man gegenwärtig im Teilfach ‘Interkulturelle Germanistik/Deutsch als Fremdsprache’ nach einem integrativen Curriculum, das Sprache, Literatur und Kultur stärker aufeinander bezieht und weniger korrekte Sprachverwendungen trainiert als vielmehr erfolgreiche Verständigungsformen. » Otto Lorenz : « Deutscher Kulturwortschatz. Vorüberlegungen zur Theorie und Methodik einer germanistischen Kulturwissenschaft », in : Jürgen Lehmann u.a. (Hg.) : Konflikt – Grenze – Dialog. Kulturkontrastive und interdisziplinäre Textzugänge. Festschrift für Horst Turk zum 60. Geburtstag. Frankfurt a. M. u.a. 1997, S. 285-301, hier : S. 285.
16Die Professur für Literaturwissenschaft/Interkulturelle Germanistik wurde im Frühjahr 1986 durch die Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften der Universität Karlsruhe ausgeschrieben.
17Vgl. ausführlich zum Aufbau des Teilstudiums Interkulturelle Germanistik : Götz Großklaus/Bernd Thum : « Teilstudium Germanistik an der Universität Karlsruhe », in : Jahrbuch Deutsch als Fremdsprache 15/1989, S. 420-434.
18Hierzu auch den programmatischen Aufsatz : Bernd Thum : « Auf dem Wege zu einer interkulturellen Germanistik », in : Jahrbuch Deutsch als Fremdsprache 11/1985, S.329-341.
19Unter diesen Vorgaben ist auch an der Universität Hamburg erstmals eine Professur Neuere Deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Interkulturelle Literaturwissenschaft eingerichtet worden.
20Wurden in Deutschland bisher Professuren eher nach literarischen Epochen spezifiziert, so werden mittlerweile auch Schwerpunkte wie Komparatistik, Medientheorie, Feministische Theorie oder Kulturtheorie unterschieden. Zu diesem Spektrum kommt nun auch verstärkt die Interkulturelle Literaturwissenschaft hinzu.
21Vgl. zu diesen Aspekten auch den umfassenden Sammelband : Lutz Danneberg u.a. (Hg.) : Wie international ist die Literaturwissenschaft ? Methoden- und Theoriediskussion in den Literaturwissenschaften : kulturelle Besonderheiten und interkultureller Austausch am Beispiel des Interpretationsproblems (1950-1990). Stuttgart u. Weimar 1996.
22Vgl. hierzu : Hans Otto Eglau : « Türöffner gesucht. Manager schlagen Alarm : Zuwenig ausländische Studenten kommen an deutsche Hochschulen », in : Die Zeit vom 1. August 1997, S. 19.
23In der Wochenzeitschrift Die Zeit vom 5. September 1997 hat Joachim Fritz Vannahme auf der Titelseite gefordert « Holt die Welt an die Uni » und sich vehement für eine Globalisierung von Lehre und Forschung eingesetzt : « Ein altes Wort für Globalisierung lautet Universität. Die Gemeinschaft der Lehrenden und Wissenden überwölbte im alten Europa alle Grenzen. »
24Beispiele dieser verstärkt nach der Wende einsetzenden historischen Betrachtungsweisen der Literaturwissenschaft sind : Eberhard Lämmert : Das überdachte Labyrinth. Ortsbestimmungen der Literaturwissenschaft 1960-1990. Stuttgart 1991. Wolfgang Frühwald u.a. (Hg.) : Geisteswissenschaften heute. Eine Denkschrift. Frankfurt a. M. 1991. Sowie : Jürgen Fohrmann/Wilhelm Voßkamp (Hg.) : Wissenschaftgeschichte der Germanistik im 19. Jahrhundert. Stuttgart u. Weimar 1994.
25Vgl. hierzu die neueren Arbeiten, die sich mit der deutsch-deutschen Fremdheitsproblematik auseinandersetzen. Etwa : Ulrich Merkel : « Das westöstliche Deutsch. Beobachtungen an einigen Gedichten dieser Jahre » in : Kurt Franz/Horst Pointner (Hg.) : Interkulturalität und Deutschunterricht. Festschrift zum 65. Geburtstag von Karl Stocker. Neuried 1994, S. 85-103. Oder die Beiträge von Lutz Henner Richter, Walter Hinderer, Ulrich Merkel, Hubert Orlowski und Amadou Booker Sadji aus der Sektion « Die Erfahrung der ‘Wende'– Konsequenzen für die interkulturelle Arbeit », in : Bernd Thum/Gonthier-Louis Fink : Praxis interkultureller Germanistik. Forschung – Bildung – Politik. Beiträge zum II. Internationalen Kongreß der Gesellschaft für Interkulturelle Germanistik. Straßburg 1991, S. 195-240.
26In der Literaturdebatte ging es einerseits um Christa Wolf, deren Mitarbeit bei der Stasi bekannt wurde. Vgl. hierzu : Hermann Vinke : Akteneinsicht Christa Wolf. Zerrspiegel und Dialog. Eine Dokumentation. Hamburg 1993. Mit den Rezensionen zu ihrer Erzählung Was bleibt entbrannte dann eine heftige Debatte : « Anhand dieses Buches wurde die politische Abrechnung mit Christa Wolf gesucht, von den literarischen Qualitäten von Was bleibt war kaum die Rede. Man hielt ihr vor, daß sie – die seit Beginn ihrer literarischen Karriere vom Regime der DDR als kulturelles Aushängeschild benutzt worden war – sich mit diesem Buch wenige Wochen nach dem Sturz des Regimes als Opfer des realen Staatssozialismus präsentierte. » Uwe Wittstock : Leselust. Wie unterhaltsam ist die neue deutsche Literatur ? München 1995, S. 94. Vgl. außerdem ausführlich : Thomas Anz (Hg.) : Es geht nicht um Christa Wolf. Der Literaturstreit im vereinten Deutschland. Frankfurt a. M. 1995. Der zweite Text mit dem die Literaturdebatte dann fortgesetzt wurde ist : Botho Strauss : « Anschwellender Bocksgesang », in : Heimo Schwilk/Ulrich Schacht (Hg.) : Die Selbstbewußte Nation. „Anschwellender Bocksgesang“ und weitere Beiträge zu einer deutschen Debatte. Frankfurt a. M. 1996, S. 19-40. Kilb bezeichnete den Text als « Untergangsprophetie ». Andreas Kilb : « Anschwellende Geistesfinsternis », in : Die Zeit Nr. 14 vom 2. 4. 1993, S. 57f. In seiner Replik in der Zeit Nr. 15 vom 9. 4. 1993 stellt Nordhofen hingegen den aufklärerischen Impetus des Essays heraus.
27Vgl. zu diesen Aspekten ausführlich : Renate von Heydebrand/Simone Winko : « Geschlechterdifferenz und literarischer Kanon. Historische Beobachtungen und systematische Überlegungen », in : Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur 19, 1994, S. 96-172.
28Für eine solche Wende plädiert auch Bachmann-Medick, wenn sie Kultur als Text zu beschreiben sucht : « Kultur ist vielmehr eine Konstellation von Texten, die – über das geschriebene oder gesprochene Wort hinaus – auch in Ritualen, Theater, Gebärden, Festen usw. verkörpert sind. Solche Ausdrucksformen sind höchst aufschlußreich, wenn es darum geht, das Netzwerk historischer, sozialer, geschlechtsspezifischer Beziehungen im Licht ihrer kulturellen Vertextung, Symbolisierung und Kodierung zu rekonstruieren. » Doris Bachmann-Medick : « Einleitung », in : Dies. : Kultur als Text. Die anthropologische Wende in der Literaturwissenschaft. Frankfurt a. M. 1996, S. 7-64, hier : S. 10.
29Barbara Naumann : « Kulturen des symbolischen Denkens : Literatur und Philosophie bei Ernst Cassirer », in : Hartmut Böhme/Klaus Scherpe (Hg.) : Literatur und Kulturwissenschaften. Positionen, Theorien, Modelle. Reinbek 1996, S. 161-186.
30Gerhard Sauder : « Walter Benjamins Projekt einer neuen Kulturgeschichte im „Passagen-Werk” », in : Renate Glaser u. Matthias Luserke (Hg.) : Literaturwissenschaft – Kulturwissenschaft. Positionen, Themen, Perspektiven. Opladen 1996.
31Reiner Wild : « Literatur und Zivilisationstheorie », in : Glaser : Literaturwissenschaft, S. 69-92. Sowie Konrad Köstlin : « Die „Historische Methode der Volkskunde“ und der „Prozeß der Zivilisation” des Norbert Elias », in : Glaser : Literaturwissenschaft, S. 93-115.
32Ein Beispiel für mögliche Ansätze auch einzelne Aspekte der Literaturgeschichte epochenübergreifend unter interkultureller Perspektive darzustellen bietet der Band : Paul Michael Lützeler : Die Schriftsteller und Europa. Von der Romantik bis zur Gegenwart. München u. Zürich 1992.
33In anderem Zusammenhang formulierte Dietrich Harth apodiktisch : « Es gibt keine exklusive Kultur, sondern nur Mischformen mit der einen oder anderen charakteristischen Dominante. » Dietrich Harth : « Die literarische Tätigkeit als kulturelle Tätigkeit : Vorschläge zur Orientierung », in : Hartmut Böhme u. Klaus Scherpe (Hg.) : Literatur und Kulturwissenschaften, S. 320-340, hier : 325.
34Judith Butler : Körper von Gewicht. Die diskursiven Grenzen des Geschlechts. Berlin 1995, S. 29.
35Jan Assmann/Dietrich Harth (Hg.) : Kultur und Konflikt. Frankfurt a. M. 1990, S. 27.
36Julia Kristeva : Fremde sind wir uns selbst. Frankfurt a. M. 1990, S. 208f.