Die Hauptzugänge zur orchestra (aditus maximi) in den römischen Theatern der Schweiz
p. 329-351
Résumés
Aus dem Gebiet der heutigen Schweiz sind vier antike Bühnentheater bekannt, die allesamt einem regionalen Bautyp zugewiesen werden können, der gemeinhin als «gallo-römisches Theater» bezeichnet wird. Beim Theater von Lenzburg und demjenigen von Lausanne handelt es sich um verhältnismässig kleine Bauwerke, die keine direkten, parallel zur Fassade verlaufenden Zugänge aufgewiesen haben. Einzig die beiden monumentalen Theater von Augst und Avenches besassen breite überwölbte Zugänge, die von beiden Seiten her zur orchestra führten und somit als aditus maximi bezeichnet werden können. Grundsätzlich fällt auf, dass die Anordnung von Eingangshallen/basilicae, Bühne/Bühnenhaus und aditus maximi beim mediterranen und beim «gallo-römischen» Theater unterschiedlich war. Während der Bühnenbereich mit seiner mehrstöckigen Fassade beim mediterranen Theater ein sehr dominantes Element darstellte, war dieser beim «gallo-römischen» Theater stark reduziert oder fehlte sogar vollständig. Die unterschiedliche Art der Erschliessung legt zusammen mit den stark reduzierten Bühnendispositiven den Rückschluss nahe, dass sich in der römischen Kaiserzeit die Veranstaltungen in den «gallo-römischen» Theatern von den in den mediterranen Theatern veranstalteten Aufführungen zumindest teilweise unterschieden.
Quatre théâtres antiques sont connus dans la Suisse et peuvent tous être rattachés au type de construction communément appelé «théâtre gallo-romain». Parmi eux, le théâtre de Lenzburg et celui de Lausanne sont des édifices relativement modestes qui ne disposaient pas d’entrées directes parallèles à la façade. Seuls les deux théâtres monumentaux d’Augst et d’Avenches possédaient des larges entrées voûtées menant à l’orchestra des deux côtés et qui peuvent donc être désignées comme des aditus maximi. On peut constater que la disposition des vestibules/basilicae, du bâtiment de scène et des aditus maximi était différente dans le théâtre méditerranéen et le théâtre «gallo-romain». Alors que l’espace scénique avec sa façade à plusieurs étages était un élément prédominant dans le théâtre méditerranéen, il était considérablement réduit ou même absent dans le théâtre «gallo-romain». La diversité des entrées, associée à la forte réduction des dispositifs scéniques, permet de conclure qu’à l’époque impériale romaine, les spectacles organisés dans les théâtres «gallo-romains» se distinguaient, du moins en partie, de ceux organisés dans les théâtres méditerranéens.
Texte intégral
Die römischen Bühnentheater im Gebiet der heutigen Schweiz
1Auf dem Territorium der Schweiz sind bisher vier Ruinenstätten bekannt, an denen gesicherte Überreste von antiken Bühnentheatern zum Vorschein gekommen sind (Abb. 1). Der politische Status dieser Orte war in römischer Zeit sehr unterschiedlich. So handelte es sich bei den Siedlungen von Augusta Raurica und Aventicum, die jeweils ein Theater von stattlichen Dimensionen besessen haben, um Koloniehauptstädte, während die beiden anderen Ortschaften Lentia und Lousonna lediglich einfache vici waren1. Allerdings waren die dort errichteten Theater auch von eher geringen Ausmassen und wiesen ein bescheidenes architektonisches Konzept auf. Sämtliche Theater gehörten einem regionalen Bautyp an, der vorwiegend im Gebiet der germanischen, nordgallischen und britannischen Provinzen verbreitet war und in der Literatur gemeinhin als «gallo-römisches Theater» bezeichnet wird2. Die Theater scheinen allesamt mit Heiligtümern in Verbindung gestanden und in diesen als funktionales Element bei im weitesten Sinne religiösen und kultischen Handlungen gedient zu haben. Für die Theater in den beiden capita coloniae lässt sich dies durch entsprechende bauliche Verbindungen mit axial angegliederten Tempeln deutlich aufzeigen3, für die Theater in den beiden vici ist eine ähnliche Nutzung aus deren architektonischem Aufbau abzuleiten. Zugehörige Tempel sind zwar auch dort zu vermuten, können aber aufgrund des lückenhaften Grabungs- und Forschungsstands bis jetzt nicht nachgewiesen werden4.
Abb. 1 – Karte der römischen Schweiz mit denjenigen Siedlungen, aus denen ein antikes Bühnentheater bekannt ist. Grosser Punkt = colonia; kleiner Punkt = vicus (Karte Marco Zanoli; Markierung der Fundplätze T. Hufschmid).

Lentia/Lenzburg und Lousonna/Lausanne – zwei Theater ohne aditus maximi
2Das Theater von Lentia/Lenzburg wurde um 100 n. Chr. erbaut und gehört zur Gruppe der «théâtres ruraux» also der Theaterbauten im ländlichen Umfeld eines kleinen vicus oder eines grossen ausserstädtischen Heiligtums5. Mit einer maximalen Fassadenausdehnung von 74,6 m gehört es, was seine Ausdehnung betrifft, zu den mittelgrossen Bühnentheatern des römischen Reichs (Abb. 2). Es ist im Westen an einen sanften Abhang angelehnt und weist eine sehr einfache und wenig repräsentative bauliche Struktur auf. Ein Bühnengebäude ist nicht nachgewiesen, ebenso wenig eine vom Niveau der orchestra abgesetzte eigentliche Bühne6. Die Erschliessung der cavea und der kleinen, lediglich 8,96 m Durchmesser aufweisenden orchestra erfolgte über einen ungedeckten halbkreisförmigen Umgang und drei radial verlaufende offene Korridore, die sich als vomitoria identifizieren lassen. Bemerkenswert für die im vorliegenden Beitrag untersuchte Fragestellung ist der Fakt, dass parallel zur Bühnenfassade verlaufende aditus maximi vollständig fehlen. Es gibt keinerlei Zugänge auf dieser Achse des Gebäudes, so dass die orchestra lediglich durch die drei von der Peripherie her rampenartig ins Innere führenden vomitoria und die nach Osten hin über rund 9 m offene Bühnenfront erschlossen war7. Für die in diesem Theater durchgeführten Veranstaltungen war es offensichtlich nicht notwendig, ebenerdige, einander gegenüberliegende direkte Orchestrazugänge zur Verfügung zu haben.
Abb. 2 – Römisches Theater von Lentia/Lenzburg, Grundriss und Rekonstruktionsversuch (Nyffeler 1988, Abb. 93; Rekonstruktionszeichnung R. Baur).

3Einen sehr ähnlichen architektonischen Aufbau besass auch das römische Theater von Lousonna/Lausanne, das mit einer Bauzeit am Beginn des 2. Jh. n. Chr. auch chronologisch gut mit dem Bühnentheater von Lenzburg vergleichbar ist8. Im Norden lehnte es sich ebenfalls mit seinem Rücken an einen sanften Abhang an; mit einer Fassadenbreite von lediglich 60 m war es allerdings deutlich kleiner als das Lenzburger Theater (Abb. 3). Besonders auffällig ist das nachweisliche Fehlen von Zugängen, die von der Peripherie her direkt zum Bühnenbereich führten. Auch eine orchestra existierte zumindest in der jüngsten, in die 2. Hälfte des 3. Jh. n. Chr. datierten Bauphase nicht, stattdessen reichten die Sitzstufen ähnlich wie im Theater von Trier-Altbachtal bis an die niedrige, kleine Bühnenkonstruktion9. Die freigelegten Überreste geben nur wenig Aufschluss über die Erschliessung und die Wegführung im Inneren des Bauwerks, die Disposition der erhaltenen Sitzstufen und die noch in situ angetroffenen Gebäudeteile machen aber deutlich, dass auch hier entlang der Fassadenmauer verlaufende, auf die orchestra ausgerichtete, axial angelegte aditus maximi nie existiert haben10. Der einzig mögliche Zugang zur 50‑60 cm über das Orchestraniveau reichenden Bühne erfolgte von Süden her über die auch bei diesem Theater über eine Breite von rund 11 m offene Bühnenrückwand.
Abb. 3 – Römisches Theater von Lousonna/Lausanne-Vidy, Grundriss der ausgegrabenen Baustrukturen (Eschbach 2011, Abb. 2).

4Das Beispiel der Theater von Lentia und Lousonna zeigt deutlich, dass es zumindest in den Provinzen nördlich der Alpen römische Theaterbauten ohne aditus maximi gegeben hat. Soweit feststellbar handelt es sich dabei um architektonisch eher einfach gehaltene, in ihrem Erscheinungsbild wenig repräsentative Bauwerke in zumeist ruralem Zusammenhang. Das Fehlen der bei den Theatern im mediterranen Gebiet durchwegs vorhandenen seitlichen Orchestrazugänge ist auffällig und gibt zur Vermutung Anlass, dass zumindest die ländlichen Theaterbauten nicht unbedingt in derselben Art und Weise genutzt oder bespielt wurden, wie die baulich repräsentativeren Bühnentheater des Mittelmeerraumes.
Augusta Raurica – vom einfachen Zweckbau zum repräsentativen Bühnentheater
5Das älteste antike Bühnentheater der Schweiz findet sich im Zentrum der bereits seit augusteischer Zeit bestehenden Koloniehauptstadt Augusta Raurica und stammt aus flavischer Zeit. Hier entstand um 70/80 n. Chr., also erst 100 Jahre nach der Errichtung der ältesten städtischen Strukturen, ein Theaterbau, der in seiner architektonischen Konzeption mit dem ihm gegenüberliegenden «Schönbühltempel» zusammen geplant und wohl auch errichtet worden ist (Abb. 4)11. Dieses früheste Theater war ein multifunktionaler Mischbau, der eine kreisrunde arena besass, die auf der Westseite vermutlich von einem kleinen Bühnenhaus abgeschlossen wurde (Abb. 4a). Mit einer maximalen Ausdehnung von wenig mehr als 100 m wies das als Zweckbau angelegte Gebäude trotz seiner eher schlicht gehaltenen und lediglich durch einfache Stützpfeiler strukturierten Fassade eine gewisse Monumentalität auf. Noch in flavischer Zeit, gegen Ende des 1. Jh. n. Chr., wurde die Idee der Multifunktionalität aufgegeben und eine kreisförmige Prohedrie als Versammlungsort in die ehemalige arena eingebaut (Abb. 4b). Es entstand so ein eigentliches Bühnentheater, das für die Durchführung von Arenaspielen nicht mehr zweckmässig war. Dieser frühe Bau war im Osten ähnlich wie das Theater von Lenzburg mit seinem Rücken an einen bestehenden Abhang angelehnt und ragte an der Peripherie lediglich 5‑6 m über das natürliche Terrain hinaus. Zwar lagen auf der Ostseite einige überwölbte Eingänge, der grösste Teil der vomitoria und Umgänge innerhalb der cavea war aber auch bei diesem Theater als offene Konstruktion ausgebildet12. Im Gegensatz zu den Theatern in den beiden vici besass dieses erste Augster Theater jedoch mit grösster Wahrscheinlichkeit überwölbte Zugänge, die parallel zur westlichen Fassadenmauer von der Peripherie her direkt zur orchestra führten. Diese aditus maximi mündeten unmittelbar vor dem mutmasslichen pulpitum und erschlossen so nebst der kreisrunden orchestra und ihrer anstossenden Prohedrie auch den gesamten Bühnenbereich.
Abb. 4 – Römisches Theater von Augusta Raurica/Augst, ältestes Theater aus flavischer Zeit; a: Grundriss und Isometrie der älteren Bauphase: Arenatheater um 70/80 n. Chr.; b: Grundriss und Isometrie der jüngeren Bauphase: Bühnentheater Ende 1. Jh. n. Chr. (T. Hufschmid; Rekonstruktionszeichnungen E.‑C. Weber).

6Das Theater aus flavischer Zeit musste schliesslich unter Trajan dem Bau eines Amphitheaters weichen, das auf den Fundamenten des älteren Bühnentheaters neu errichtet wurde. Während mehr als einem halben Jahrhundert diente diese arena, weiterhin in enger Anbindung an den Tempel auf der gegenüberliegenden Anhöhe, als Veranstaltungsort für Gladiatorenspiele und Tierkämpfe, bevor sie gegen Ende des 2. Jh. n. Chr. durch ein grösseres Amphitheater am Stadtrand, das Platz für rund 13’000 Zuschauer bot, ersetzt wurde13.
7Die Verschiebung des Amphitheaters an eine topographisch günstige Lage am Südrand der Stadt ging mit einem ambitionierten Neubauprojekt im Stadtzentrum einher. Wiederum unter Verwendung der massiven Fundamente der älteren Theaterbauten entstand um 180/190 n. Chr. vis-à-vis vom «Schönbühltempel» ein monumentales Bühnentheater mit Sitzplätzen für bis zu 12’000 Zuschauer (Abb. 5). Das Bauwerk erhob sich an der Peripherie zweigeschossig bis zu 20 m über das Gelände und die zum Tempel hin orientierte, 102 m breite Westfassade war durch Stützpfeiler und im Erdgeschoss durch Bogendurchgänge gegliedert14. Zum Zentrum schräg abfallende Bühnenwände und das vollständige Fehlen eines Bühnenhauses weisen auch diesen Theaterbau dem «gallo-römischen» Typ zu. Dennoch war seine Architektur mit den überwölbten Eingangshallen, der klar strukturierten cavea mit ihren überdeckten vomitoria und der bekrönenden porticus in summa cavea, deren Zentrum mit grösster Wahrscheinlichkeit ein kleines sacellum beherbergte15, stark mediterran geprägt. Während Aufbau und Organisation der cavea gute Parallelen bei römischen Theatern aus dem Mittelmeerraum finden, folgten Architektur und Struktur des Bühnenbereichs einem vollständig anderen Schema, das sich in keiner Art und Weise mit den grandiosen, mehrstöckigen Bühnenbauten der mediterranen Theater vergleichen lässt. Auch die Fassadengestaltung kann, von den Arkaden der Eingangshallen in den Eckzonen einmal abgesehen, in ihrer dichten Bauweise und materiellen Schlichtheit nicht mit den opulenten Bogenfassaden der stadtrömischen Theater konkurrieren. Bemerkenswert ist allerdings, dass offenbar mediterrane Einflüsse in der baulichen Umsetzung der Grund sind, weshalb trotz der unterschiedlich organisierten Bühnensituation veritable, überwölbte aditus maximi errichtet wurden, die in ihren äusseren Zonen in repräsentative Eingangshallen übergingen16. Auch wenn ihre Lage im Grundriss der Bühnenfront nicht identisch ist, so scheinen diese Hallen doch in gewissem Sinne den basilicae der mediterranen römischen Theater entsprochen zu haben.
Abb. 5 – Römisches Theater von Augusta Raurica/Augst, jüngstes Theater aus dem späten 2. Jh. n. Chr., heutiger Zustand und Rekonstruktionsversuch (Foto I. Horisberger-Matter; CAD-Rekonstruktion T. Hufschmid).

Aventicum – Modell zwischen Italien und der Provinz
8Das im frühen 2. Jh. n. Chr. errichtete Bühnentheater von Aventicum ist in seiner Erscheinung und Struktur gut mit dem jüngsten Augster Theater vergleichbar. Wesentliche Unterschiede zeigen sich lediglich in der statischen Konzeption der Peripheriezone und der nachgewiesenen Existenz eines kleinen, im Nordwesten über die Fassade hinausragenden Bühnenhauses (Abb. 6). Die übrigen Zonen und speziell der Bereich der überwölbten Orchestrazugänge und die mit diesen in Verbindung stehenden Eingangshallen in den Eckzonen weisen eine frappante Ähnlichkeit mit dem monumentalen Bühnentheater von Augusta Raurica auf17. Aufgrund der vielen Übereinstimmungen in Architektur und Statik darf davon ausgegangen werden, dass das Theater von Aventicum dem rund 80 Jahre später errichteten Gebäude von Augusta Raurica als Vorbild gedient hat.
Abb. 6 – Römisches Theater von Aventicum/Avenches, Bühnentheater aus dem frühen 2. Jh. n. Chr., heutiger Zustand und Rekonstruktionsversuch (Foto Site et musée romains d’Avenches; CAD-Rekonstruktion T. Hufschmid).

9Im Südosten war das Theater von Avenches mit der Seite, welche die cavea beherbergte, an einen bestehenden Abhang angelehnt. Die halbkreisförmig verlaufende Peripheriemauer besass eine Gliederung durch gemauerte Pilaster, die in zwei übereinander gestellten Ordnungen organisiert waren (Abb. 6). Die Pilaster des Erdgeschosses schlossen mit tuskanischen Kapitellen aus regionalem Sandstein (grès de la Molière aus der Gegend von Estavayer-le-Lac) ab, für das Obergeschoss ist eine korinthische Säulenordnung nachweisbar, deren eher grob gehaltene Kapitelle aus demselben Sandstein gefertigt waren18. Bekrönt wurde diese repräsentative Fassadenarchitektur von einer Attika mit Zwergpilastern, die ebenfalls aus massiven Sandsteinblöcken gefügt war. In regelmässigen Abständen führten insgesamt elf vomitoria von der Peripherie her radial ins Gebäudeinnere und sorgten so für eine Erschliessung der cavea mit ihren Sitzstufen aus Sandstein (Abb. 7c). Im Nordwesten schloss eine gerade, rund 106 m breite Fassade, deren Mauern wie beim Augster Theater schräg zum Zentrum abfielen, das Gebäude ab, was zeigt, dass auch hier ein «gallo-römischer» Bautyp vorliegt. Allerdings belegen bauliche Strukturen in Avenches, dass im Zentrum dieser «Bühnenfassade» ein kleines, einstöckiges Bühnenhaus mit einer Grundfläche von 13,40 x 7,60 m existiert hat. Das ebenfalls für rund 12’000 Zuschauer Platz bietende Bauwerk war wie sein Zwilling in Augst axial auf einen gegenüberliegenden Tempel – den sogenannten «Cigogniertempel» – ausgerichtet und nahm planimetrisch und visuell auf diesen Bezug19. Das gemeinsame Baukonzept zeigt sich nicht nur in der ausgeprägten Axialität, sondern auch in der übereinstimmenden Chronologie, die für den rund 175 m entfernten Tempel ebenfalls einen Baubeginn in trajanischer Zeit ausweist20. In Bezug auf die aditus maximi gelten angesichts der bereits genannten auffälligen architektonischen Gemeinsamkeiten dieselben Beobachtungen wie für das Theater von Augusta Raurica: Hinter der geraden Bühnenfassade führten axiale Zugänge von der Peripherie her auf direktem Weg zur orchestra und mündeten direkt vor der relativ weit in den Orchestrabereich ausgreifenden, 12,23 x 9,61 m messenden Bühnenzone21. In ihrem äusseren Teil führten diese aditus maximi durch repräsentative überwölbte Eingangshallen, die mit den basilicae der mediterranen Bühnentheater vergleichbar sind.
Abb. 7 – Aufbau der aditus maximi in den Theatern von Aventicum/Avenches (frühes 2. Jh. n. Chr.) und Augusta Raurica/Augst (um 180‑190 n. Chr.); a: Aventicum, ursprünglich geplanter Zustand mit 7 vomitoria zur 1. praecinctio; b: Augusta Raurica, ursprünglich geplanter Zustand ohne Stützpfeiler an den Flanken und mit umbiegenden Treppenhäusern zur 2. praecinctio in den Eckzonen; c: Aventicum, ausgeführter Zustand mit Verstärkungen in den Hallen, den aditus und den aufgegebenen südöstlich anschliessenden vomitoria 0 und 12; Reduktion auf 5 vomitoria zur 1. praecinctio; d: Augusta Raurica, ausgeführter Zustand mit massiven Stützpfeilern an den Flanken und zugemauerten Eckzonen; dies bedingte erhebliche Anpassungen bei den Zugängen zur 2. praecinctio (Zeichnung T. Hufschmid).

Die aditus maximi bei den beiden monumentalen Theater von Augusta Raurica und Aventicum
Aventicum – bauliche Probleme und pragmatische Lösungen
10Die beiden symmetrisch angelegten aditus maximi im Theater von Aventicum führten jeweils in gerader Linie von den Eckzonen der Peripherie zum nordwestlichen Ende der als gestelzter Halbkreis ausgebildeten orchestra (Abb. 7c). Ihr Aufbau ist klar strukturiert und lässt sich in unterschiedliche Teile gliedern, die von aussen nach innen folgende sind: An eine im Grundriss langrechteckige (ca. 17,00 x 8,60 m), von Gurtpfeilern gegliederte Halle schloss ein überwölbter Durchgang mit tiefen seitlichen Nischen an, der schliesslich in eine offene, platzartige Zone führte, die über Treppenstufen mit der nordwestlichen Fortsetzung der orchestra in Verbindung stand22 (Abb. 8). Das Längenverhältnis dieser drei Räume betrug (von aussen nach innen) 8:3:5, wobei die eine Hälfte der Ausdehnung jeweils durch die Halle eingenommen wurde, und die andere Hälfte durch den überwölbten Gang und die offene Adituszone. Beim Aufbau fand eine Mischtechnik Anwendung, bei der die statisch tragenden Elemente in Werkstein (aus grau-grünem regionalem Sandstein) und die übrigen Teile in gemörteltem opus vittatum-Mauerwek (aus gelbem Neuenburger Kalkstein) ausgeführt waren. Diese an sich statisch motivierte Materialauswahl führte als Nebeneffekt zu einem durchaus beabsichtigten Farbenspiel in der repräsentativ gehaltenen Architektur, bei dem ein Wechsel aus grau-grünem Quadermauerwerk und gelblichem Flächenmauerwerk entstand.
Abb. 8 – Römisches Theater von Aventicum/Avenches, südwestlicher aditus maximus mit Eingangshalle, Rekonstruktion des ausgeführten Bauzustands (CAD-Rekonstruktion T. Hufschmid).

11Die Fassaden am Übergang vom überdeckten zum offenen Teil der aditus waren als Werksteinarchitektur aus Sandstein gefügt und zeigten jeweils eine dreiteilige Bogenkonstruktion (Abb. 9)23. Allerdings war nur der grössere mittlere Bogen als Durchgang angelegt, während die beiden seitlichen als flache Blendarkaden ausgeführt waren, die schmale überwölbte Nischen bildeten. Die sich über der Torkonstruktion erhebende Brüstung der Aditus-Rahmung wirkte optisch als aufgesetzte Attikazone. In dieser Ausgestaltung erschienen die zur cavea hin orientierten Schaufassaden wie kleine Triumphbögen, die beim Verlassen der orchestra durchschritten werden mussten. Wir möchten daher in der Gestalt dieser Bogenfassaden, so einfach sie in ihrer Ausführung auch gehalten sein mögen, eine bewusste Anspielung an römische Triumphalarchitektur und die damit in Verbindung stehende Siegesideologie sehen. Eine Symbolik, die auch für andere antike Theaterbauten aufgezeigt werden kann und die unseres Erachtens Rückschlüsse auf den politischen und ideologischen Charakter der zur Kaiserzeit in den Theatern und Amphitheatern abgehaltenen Spiele zulässt24. Das Studium des metrologischen Aufbaus dieser Fassaden und der daran anschliessenden überwölbten Aditusabschnitte zeigt, dass als Grundlage für die architektonische Planung der Drusianische Fuss Verwendung gefunden hat, der vermutlich als Modul mit einer Länge von vier Fuss zum Einsatz kam (Abb. 10)25. Auffällig an den überwölbten Zonen der aditus ist ihre massive Bauweise, bei der das überdeckende, zur orchestra geneigte Tonnengewölbe auf mächtigen, im Querschnitt 1,65 x 2,65 cm messenden Pfeilern ruhte, die aus grossen Sandsteinquadern gefügt waren (vgl. Abb. 8). Wie die Bauuntersuchungen gezeigt haben, bildeten diese Pfeiler und die darauf lagernden, 2,65 m tiefen Gewölbebögen eine sekundäre Verstärkungsmassnahme, die erst nach den begonnenen Aufmauerungsarbeiten, aber noch während der Bauzeit des Theaters ausgeführt worden ist (vgl. Abb. 7a; 7c)26. Einiges weist darauf hin, dass sich offenbar bereits während der Errichtung des Bauwerks statische Probleme, vermutlich verursacht durch den Druck des Abhangs, an den das Theater angelehnt war, bemerkbar gemacht haben. Um die offensichtlich von Südosten her gegen die Caveaabschlussmauern drückenden Kräfte, mit denen der Architekt bei der Planung nicht gerechnet hatte, zurückzuhalten, mussten im Bereich der aditus maximi massive zusätzliche Stützkonstruktionen eingebaut werden, die in den überwölbten Aditusabschnitten als mächtige Quaderkonstruktionen ausgeführt wurden.
Abb. 9 – Römisches Theater von Aventicum/Avenches, orchestraseitige Werkstein-Fassade des nordöstlichen aditus maximus; a: Rekonstruktionsversuch, in situ erhaltene Teile von b sind rot markiert; b: Reste der Fassade im aktuellen Erhaltungszustand (CAD-Rekonstruktion T. Hufschmid; Foto N. Terrapon).

Abb. 10 – Römisches Theater von Aventicum/Avenches, nordöstlicher aditus maximus, Schnitt und Fassade mit Angaben zum metrologischen Aufbau in Drusianischen Fuss (Zeichnung T. Hufschmid).

12Ähnliche Verstärkungsmassnahmen waren vermutlich zeitgleich auch in den nach aussen an die überwölbten Aditusbereiche anschliessenden Eingangshallen eingebaut worden (Abb. 11). Der Aufbau der Hallen war bereits bis zur Errichtung der Fundamente gediehen, als eine weitreichende Konzeptänderung mit umfassenden Verstärkungsmassnahmen beschlossen wurde. Detaillierte Bauuntersuchungen im Zeitraum zwischen 2013 und 2015 konnten aufzeigen, dass die Seitenwände der Hallen gemäss ursprünglichem Baukonzept mit vier in Werkstein errichteten, 67 cm tiefen Blendarkaden geplant gewesen sind (Abb. 12a)27. Ein Tonnengewölbe mit einer Spannweite von 7,35 m hätte auf diesen Nischenwänden aufgesessen und die Hallen in Längsrichtung überdeckt. Ansätze für diese Konstruktion konnten 2015 in der südwestlichen Halle am noch erhaltenen Baubefund beobachtet und dokumentiert werden28. Hier war am Übergang von der Halle zum überwölbten Aditusteil bereits mit dem Aufbau der ersten, über das Fundament hinausreichenden Quaderlagen dieser Konstruktion begonnen worden. Allerdings waren diese Arbeiten noch nicht sehr weit gediehen, als die Notwendigkeit der bereits erwähnten Verstärkungsmassnahmen evident wurde. Analog zu den Interventionen in den überdeckten Adituszonen erfolgte auch in den Eingangshallen der Bau von weiteren Fundamenten, auf denen zusätzliche Pfeiler zur Abstützung des Hangdrucks hochgezogen wurden (Abb. 11). Am Konzept der Hallenwände mit ihren Blendarkaden wurde zwar festgehalten, als zusätzliche Stütze wurde den Nischenwänden aber ein System von Pfeilern vorgesetzt über denen Gurtbögen eingezogen wurden (Abb. 12b)29. Dadurch entstand ein stabilisierendes Innenskelett, welches das Tonnengewölbe zusätzlich stützte und den Schub des im Südwesten liegenden Abhangs und der dort zusätzlich eingebrachten Auffüllschichten auf die Fassade und die Fundamentverstärkungen ableitete.
Abb. 11 – Römisches Theater von Aventicum/Avenches, Eingangshalle des südwestlichen aditus maximus, Mauerzüge nach Freilegung und partieller Entfernung der Altrestaurierungen. Die sekundär angefügten Fundamente der Gurtpfeiler sind deutlich weniger tief und reichen mit einer Stossfuge ans ältere Mauerwerk (Fotos Site et musée romains d’Avenches).

Abb. 12 – Römisches Theater von Aventicum/Avenches, Eingangshalle des südwestlichen aditus maximus, Rekonstruktionsversuch der beiden Bauphasen; a: ursprünglich geplante Phase mit Blendarkaden in Werkstein; b: ausgeführte Phase mit Gurtbögen zur statischen Verstärkung (Zeichnung T. Hufschmid).

13Bei der Durchführung dieser statischen Verstärkungen liess man offenbar zunächst die Problematik der direkt nordöstlich an die aditus maximi anschliessenden vomitoria (vomitorium 0 und vomitorium 12) ausser Acht. Entgegen dem letztlich ausgeführten Bauzustand waren hier ursprünglich zwei von den Eingangshallen respektive der Peripherie her erschlossenen Zugänge zur ersten praecinctio geplant gewesen (vgl. Abb. 7a). An diesem Konzept, das für die Erschliessung der Sitzplätze grundlegend war, wollte man aus ersichtlichen Gründen auch nach Einbau der Verstärkungsmassnahmen in den Hallen und aditus festhalten. Allerdings hatte der für die Planänderung zuständige Architekt nicht ausreichend berücksichtigt, dass die Problematik des Hangdrucks und der zusätzlichen Auffüllschichten angesichts der tiefen Höhenlage dieser beiden vomitoria nicht zu vernachlässigen war. Wie sich beim weiteren Aufbau zeigen sollte, war die schwierige statische Situation in den Hallen und den aditus allen Fundamentverstärkungen zum Trotz lediglich ein paar Meter nach Südosten verlagert worden, wo der Schub der Keilverfüllungen nun vollständig auf die eher bescheiden dimensionierten Südostwangen der vomitoria wirkte. Im Verlauf der weiteren Bauentwicklung, zu einem Zeitpunkt als die Mauerzüge des gesamten Gebäudes bereits eine stattliche Höhe erreicht hatten, wurde es daher unumgänglich, in die geplanten vomitoria 0 und 12 massive, stützpfeilerartige Mauerklötze einzuziehen, um die prekären statischen Verhältnisse definitiv zu bereinigen (vgl. Abb. 7c)30. Für die Erschliessung des Theaters war dieser ultimative Eingriff allerdings höchst problematisch, da dadurch zwei wichtige Zugänge zur cavea verloren gingen und sich die Anzahl der Eingänge von ursprünglich geplanten 15 auf lediglich 13 vomitoria reduzierte31.
Augusta Raurica – massive Architektur über wiederverwendeten Fundamenten
14Die aditus maximi des monumentalen, jüngeren szenischen Theaters von Augusta Raurica waren ganz ähnlich wie diejenigen in Aventicum aufgebaut. Auch hier findet sich die Dreiteilung mit aussen liegenden Gewölbehallen, überdeckten Gängen und zur orchestra offenen Mündungen wieder (Abb. 7b; 7d). Allerdings waren die Mündungsbereiche in Augst deutlich enger und daher weniger repräsentativ gestaltet als die triumphbogenartigen Fassaden in Avenches. Dafür war der architektonische Aufbau der gesamten aditus komplexer, da ein verkröpftes Bauschema zur Anwendung kam, dessen Vor- und Rücksprünge zur Bildung einzelner, kammerartiger Bereiche führten (Abb. 13)32. Die überdeckten Aditusteile bestanden aus jeweils zwei unterschiedlich breiten Kammern, die von einem gestaffelten System aus zwei, in einem Winkel von 19° zur orchestra abfallenden Halbtonnengewölben bedeckt wurden (Abb. 14b; 15). An ihrem Fuss dienten 100 cm tiefe, horizontal gelagerte Werksteinbögen aus grossen Buntsandsteinquadern als Widerlager zum Abfangen der Schubkräfte, während die übrigen Gewölbekonstruktionen nachweislich aus kleinen, konisch zugesägten und mit Mörtel gebundenen Tuffsteinen bestanden33. Diese überwölbten Adituszonen wurden auf ihrer Westseite über je ein grosses Fenster beleuchtet, das prominent im Norden und Süden in die Fassadenmauern der aditus eingefügt war (Abb. 13; 14a)34. In situ verbliebene Baureste dieser Fenster haben gezeigt, dass es sich um komplex gestaltete Bauteile mit konischem Grundriss und massiver Tuffsteinüberwölbung gehandelt hat (Abb. 15). Zudem waren die in die Fassade integrierten, zweireihigen Fensterbögen repräsentativ mit Keilsteinen aus rotem Sandstein gestaltet, in die kleine hellbeige Kalksteinquader als dekorative Elemente eingefügt waren.
Abb. 13 – Römisches Theater von Augusta Raurica/Augst, jüngstes Theater, nördlicher aditus maximus im aktuellen Zustand. Die verkröpfte Architektur und der Übergang zur Werksteinkonstruktion der Eingangshalle sind gut erkennbar; der Fensterbogen ist basierend auf den überlieferten Baubefunden rekonstruiert (Foto I. Horisberger-Matter).

Abb. 14 – Römisches Theater von Augusta Raurica/Augst, jüngstes Theater, Rekonstruktionsversuch des nördlichen aditus maximus im aufgeschnittenen Zustand; a: Fassade mit Eingangsbögen, Stützpfeilern und überwölbtem Fenster; b: Schnitt durch den aditus mit Gurtbögen, Blendarkaden und Durchgang zum Treppenhaus in der Eingangshalle; im Anschluss die abfallenden Tonnengewölbe im überdeckten Teil, deren Schub orchestraseitig von einem horizontalen Werksteinbogen abgefangen wird (Zeichnung T. Hufschmid).

Abb. 15 – Römisches Theater von Augusta Raurica/Augst, jüngstes Theater, Baubefund des Fensters im nördlichen aditus maximus mit in situ erhaltenen Teilen der Fensterkonstruktion und darüber hinwegziehender Bettung für die schräg abfallende Gewölbeüberdeckung (Zeichnung I. Horisberger-Matter und T. Hufschmid).

15Von verblüffender Ähnlichkeit mit dem Theater von Aventicum waren die in der Nordwest- respektive Südwestecke des Theaterbaus gelegenen Eingangshallen zu den aditus maximi. Das System mit längs orientierten, von mächtigen Gurtbögen getragenen, überwölbten Hallenkonstruktionen fand sich auch in Augusta Raurica und scheint direkt vom rund 80 Jahre älteren Avencher Vorbild inspiriert worden zu sein. Deutlich trat auch hier das verkröpfte Architekturschema mit seinen Vor- und Rücksprüngen und den überwölbten Nischen in Erscheinung (Abb. 14b), wobei in Augst das System eine mutige Anpassung erfuhr: Statt mit einfachen Blendbögen waren die 2,35 m starken Seitenwände nun fassadenseitig mit offenen Gewölbedurchgängen versehen, deren massive Keilsteine aus statischen Gründen aus bis zu zwei Tonnen schweren Buntsandsteinblöcken bestanden (Abb. 14a)35. Lediglich die östlichen Hallenwände besassen als Blendbögen ausgebildete Mauernischen, wobei aber auch hier jeweils der mittlere der drei Bögen als überwölbter Mauerdurchgang ausgebildet war, der Zugang zu einem hinter der Hallenwand verlaufenden Treppenhaus gewährte (Abb. 14b)36. Die in diesen Gängen angelegten steilen Treppen führten vom Bodenniveau der Hallen in direktem Lauf auf die Höhe der ersten praecinctio, wodurch diese am Abschluss der Caveamauern errichteten Treppenhäuser als zwei zusätzliche vomitoria zu betrachten sind (vgl. Abb. 7b; 7d)37. Vergleicht man diesen Aufbau wiederum mit demjenigen des bereits früher erbauten Theaters von Avenches, so fällt auf, dass diese Treppenhäuser in ihrer Lage mit den ursprünglich in Avenches geplanten und dann aus statischen Gründen zugemauerten vomitoria übereinstimmen38. Es scheint also, dass auch hier ein Rückgriff auf das Vorbild in Aventicum stattgefunden hat.
16Um den statischen Anforderungen gerecht zu werden – auch beim jüngsten Augster Theater führten als Unterbau für die cavea eingebrachte Aufschüttungen auf der Ostseite zu einem starken Hangdruck auf die im Westen gelegenen Fassadenmauern – war das tragende Skelett der Hallenkonstruktion in Werksteintechnik aus grossen Sandsteinquadern errichtet (Abb. 16). Die sogenannten Gurtpfeiler, auf denen die tragende Bogenkonstruktion ruhte, waren auf rund 4,00 m mächtigen, aus massiven Buntsandsteinquadern gefügten, mehrlagigen Fundamenten abgestellt, die in ihrer Anlage auf die älteren an diesem Ort errichteten Theaterbauten zurückgingen (Abb. 16b)39. Der über die Tonnengewölbe der Eingangshalle auf die westlichen Abschlussmauern abgeleitete Erddruck der Caveaauffüllungen wurde von aus kleinen Kalksteinhandquadern gefügten Stützpfeilern in der Fassade aufgenommen und über massive, fast 5,00 m mächtige Kalksteinfundamente in den Boden abgeleitet. Durch die selektive Materialwahl entstand eine Art Mischarchitektur aus rotem Werkstein und grau-beigem Kalksteinmauerwerk (opus vittatum), die in ihrem Kern zwar statisch bedingt war, dem Bauwerk aber letztlich eine bichrome Erscheinung bescherte (vgl. Abb. 13; 14)40. Dieses zweifarbige Erscheinungsbild, wie wir es weiter oben bereits für das Theater von Aventicum konstatiert haben, wurde zudem durch die Fugenbehandlung noch unterstrichen, indem sämtliche Mauerwerksfugen im sichtbaren Bereich mit einem pietra rasa-Verstrich und einem rot ausgezogenen Fugenstrich versehen waren. Diese Behandlung erstreckte sich nicht nur auf die Aussenmauern, sondern auch auf die Maueroberflächen im Inneren der repräsentativen Hallenarchitektur41.
Abb. 16 – Römisches Theater von Augusta Raurica/Augst, jüngstes Theater; a: Grabungsbefund der nördlichen Eingangshalle mit den massiven Sandsteinfundamenten für die tragende Gurtbogenkonstruktion (der Pfeil zeigt das Fundament von b); b: Ansicht und Isometrie des fünflagigen Fundamentabschnitts auf der Ostseite, der in seiner Anlage auf die älteren Theaterbauten zurückreicht (blaue und grüne Phase); für den Einbau der Gurtpfeiler wurde das Punktfundament nach Süden verlängert (rote Phase) [a: Foto G. Sandoz; b: Fotos und Zeichnung I. Horisberger-Matter].

Zwei Theater eine Geschichte
17Der Vergleich der römischen Bühnentheater von Aventicum und Augusta Raurica (jüngeres szenisches Theater) zeigt, dass sich die beiden Bauwerke in ihrer baulichen Struktur sehr ähnlich waren (vgl. Abb. 7). Einzig bei der Wahl der statischen Lösungen in der Zone des aufgeschütteten dritten maenianum machen sich deutliche, im Grundrissplan gut erkennbare Unterschiede bemerkbar, indem in Avenches ein System mit Radialmauern zum Einsatz kam, während in Augst die Schubableitung über halbkreisförmige Entlastungsbögen erfolgte42. Die generell kompaktere Bauweise führte beim Augster Theater zu einer stark geschlossenen Fassadenwirkung bei der Umfassungsmauer (vgl. Abb. 5). Dies im Gegensatz zur Peripherie des Avencher Theaters, wo die stärkere Strukturierung und die von den Eingangsbögen der vomitoria aufgelockerte Peripherie ein «mediterraner» geprägtes Erscheinungsbild vermittelte (vgl. Abb. 6)43. Von schon fast frappierender Ähnlichkeit war bei beiden Theatern hingegen der Aufbau der aditus maximi mit ihren überwölbten Eingangshallen und den, zumindest in der ursprünglichen Planung ebenfalls bei beiden Bauten feststellbaren, seitlich anschliessenden vomitoria (vgl. Abb. 7). Dabei stand zweifellos das rund 80 Jahre ältere Theater von Aventicum für seinen erst am Ende des 2. Jh. n. Chr. entstandenen Bruder in Augusta Raurica Pate. Nebst der grundsätzlichen Zusammensetzung der aditus maximi mit ihrer markanten Dreiteilung in Eingangshalle, überwölbte Gangteile und offene Mündungsbereiche, zeigt sich dies vor allem auch in der Konstruktionsweise der Hallen und ihrer Überwölbungen. Basierend auf den beim Bau des Avencher Theaters zu Beginn des 2. Jh. n. Chr. gemachten statischen Erfahrungen, welche noch während dem Bau die Einführung eines stützenden Gurtbogensystems veranlassten, entschied man sich in Augst bereits bei der Planung für ein statisch sicheres Gurtsystem, das Probleme durch den Schub der hinter den Hallenmauern aufgeschütteten Erd- und Schuttmassen von Beginn weg verhindern sollte. Ganz ausschalten liess sich die Problematik der nachschiebenden Erdmassen aber auch in Augusta Raurica nicht. Zwar erfüllten die in solider Werksteintechnik errichteten Hallenkonstruktionen die an sie gerichteten statischen Anforderungen zuverlässig, dafür sorgte ein offenbar unstabiler Baugrund in den Flankenzonen für grosse Probleme, so dass die Peripherie noch während der Bauzeit in den beiden äusseren Keilen mit je fünf massiven Stützpfeilern im Norden und im Süden verstärkt werden musste (vgl. Abb. 7d)44. Auf das Dispositiv der aditus hatten diese Massnahmen zwar keinen direkten Einfluss, da aber zusätzlich zum Bau der Stützpfeiler die ursprünglich als Gewölbedurchgänge geplanten Eckzonen mit massiven, ebenfalls der Abstützung dienenden Mauerkörpern geschlossen wurden, musste das ursprünglich geplante Zugangskonzept verändert werden (vgl. Abb. 7b; 7d). In dem Zusammenhang wurde zwar nicht die Gesamtzahl der vomitoria verringert, so wie dies in Avenches geschehen ist, aber das Zugangssystem zu den überwölbten Zuschauereingängen musste angepasst werden, was letztlich mit einer Verschlechterung des Personenflusses einherging45. Nach ursprünglichem Plan realisiert wurde hingegen die Einrichtung von unmittelbar an die aditus maximi angelehnten, als Treppenhäuser ausgebildeten vomitoria, welche direkt von den Eingangshallen aus betreten wurden (Abb. 17). Ein Erschliessungsschema also, das, wie wir gesehen haben, bereits beim Theater von Aventicum in genau derselben Art und Weise vorgesehen war, aufgrund von sich während der Bauzeit ergebenden statischen Problemen aber so nicht ausführen liess (vgl. Abb. 7a; 7c). Beim Bau des Augster Theaters hatte man offensichtlich aus den 80 Jahre zuvor gewonnenen Erfahrungen in Avenches gelernt, und die caveaseitigen Mauern der vomitoria/Treppenhäuser mit einem System aus vertikal stehenden Entlastungsbögen gegen den Schub der dahinter liegenden Aufschüttungen gesichert. Die Gemeinsamkeiten in der Organisation, dem Aufbau und der statischen Konstruktion der beiden Theater ist wie erwähnt augenfällig und zeigt deutlich, wie stark sich die beiden Koloniehauptstädte gegenseitig beeinflussten und inspirierten46.
Abb. 17 – Römisches Theater von Augusta Raurica/Augst, Erschliessungswege in Verbindung mit den aditus maximi im Norden und Süden (CAD-Rekonstruktion T. Hufschmid).

Überlegungen zur Verbindung zwischen aditus, Orchestra und Bühnenbereich bei unterschiedlichen Theatertypen
Theater im mediterranen Raum und Theater in den nördlichen Provinzen – Unterschiede in der Architektur der Bühnendispositive als Hinweis für unterschiedliche Nutzung?
18Vergleicht man die beiden Theater von Augusta Raurica und Aventicum mit den Bühnentheatern im mediterranen Gebiet, so fällt auf, dass die hauptsächlichen Unterschiede im Bereich der Bühne und der aditus maximi zu finden sind (Abb. 18). Auf das Phänomen der auf kleine einstöckige Bauten reduzierten oder sogar vollständig fehlenden Bühnenhäuser bei den «gallo-römischen» Theatern sei im Rahmen dieses Aufsatzes nicht weiter eingegangen. Ebenso wenig auf die Diskussion, dass durch diese Architektur zwangsläufig eine Öffnung der Bühnenfassaden erfolgt, wodurch das nach Innen gerichtete Konzept des mediterranen römischen Theaters verschwindet und sich auf über die Bühnenwand hinaus erstreckende Bezüge erweitert47. Hingegen soll aufgezeigt werden, wie sich durch dieses abgeänderte Baukonzept die Anbindung und Aufgaben der zur orchestra führenden Hauptzugänge (aditus maximi), sofern diese überhaupt vorhanden waren, veränderten. Allerdings ist herauszustreichen, dass offenbar eine grosse Anzahl, wenn nicht sogar die Mehrzahl, der «gallo-römischen» Theater gar nicht über symmetrisch angelegte, direkt zur orchestra führende aditus maximi verfügt hat. Für die antiken Bühnentheater auf Schweizer Boden betrifft dies wie oben erwähnt die beiden eher bescheidenen Bauten von Lentia/Lenzburg und Lousonna/Lausanne. Beispiele wie Dalheim (L), Vieil-Evreux (F), Vendeuil-Caply (F), Champlieu (F) oder Argentomagus/St. Marcel (F) zeigen aber, dass durchaus auch grössere und aufwendiger gebaute Theater dieses Typs offenbar ohne solche aditus maximi auskamen48. Dort, wo solche existierten, lässt ihre Lage und Architektur vermuten, dass sie deutlicher mit der Nutzung von orchestra und Bühnenzone in Verbindung standen, als dies bei den Theatern im Mittelmeerraum der Fall war. Angesichts des Fehlens einer mehrstöckigen Bühnenwand und einer breiten Bühne mit seitlichen parascaenia erschlossen die aditus maximi der «gallo-römischen» Theater mit ihrer direkten Ausrichtung auf die in die orchestra hineinragenden Bühnen zusätzlich zur orchestra auch wichtige Teile des Bühnendispositivs (Abb. 18b; 18c). Diese grundsätzlich stärkere Vermischung von Bühnenbereich und orchestra manifestiert sich folgerichtig auch bei den aditus, indem die beim mediterranen Theater erkennbare Entflechtung zwischen scaena und orchestra/aditus maximi weitgehend aufgehoben scheint. Die normalerweise getrennten, nur bedingt durchlässigen, klar geregelten Zugangswege verschwimmen zugunsten einer multifunktionalen und in verschiedene Richtungen führenden Nutzung. Bestanden symmetrisch angelegte, einander gegenüber liegende aditus maximi beim «gallo-römischen» Theater, so wurden diese als im Vergleich zu den übrigen Eingängen repräsentativer angelegte Hauptzugänge gestaltet. Fehlten sie, so übernahmen oft seitlich der Bühnenhäuser erkennbare, in die Fassade eingebaute Zugänge die Aufgaben der aditus49.
Abb. 18 – Bühnenzone und Verkehrswege in einem mediterranen Theater (Vienna/Vienne, F) mit geschlossener scaena (a) im Vergleich zu den Theatern von Aventicum/Avenches (b) und Augusta Raurica/Augst (c) [Zeichnung T. Hufschmid, unter Verwendung des Grundrisses Sear 2006, Plan 217].

19Kommen wir im Folgenden nochmals auf die beiden monumentalen Theaterbauten von Augst und Avenches zurück. Hier fällt auf, dass nicht nur architektonisch und strukturell durchgestaltete Orchestrazugänge existierten, sondern dass diesen in den Eckzonen grosse, repräsentativ gehaltene Eingangshallen vorgelagert waren (Abb. 18). Wie wir gesehen haben, sind diese Hallen in ihrem Charakter und ihrer Lage mit den basilicae der mediterranen Bühnentheater vergleichbar. Sie dienten wohl ebenfalls als Aufenthaltsort für Honoratioren und privilegierte Zuschauer und als Drehscheibe für die Verteilung der verschiedenen «Akteure» rund um die orchestra. Bemerkenswert ist aber, dass solche Hallen bei Theatern vom «gallo-römischen» Typ offenbar ziemlich selten vorkommen und unseres Wissens ausser an den beiden genannten Orten zurzeit bloss noch beim Theater von Germanicomagus/St. Cybardeaux (Frankreich) einigermassen klar nachweisbar sind50. Wir sind geneigt, ihre Existenz als Elemente von starken mediterranen Einflüssen, wie sie in der Architektur der beiden hier besprochenen Theater feststellbar sind, zu erklären. Speziell das Theater von Aventicum, das wie oben aufgezeigt in vielen Punkten dem jüngsten Augster Theater als Modell gedient zu haben scheint, weist in seinem Aufbau, seiner Erscheinung und seiner architektonischen Ausgestaltung viele Elemente auf, die sich an der Architektur der Theater im Mittelmeerraum orientieren. Gleichzeitig zeigen aber das stark reduzierte Bühnenhaus sowie die Disposition der scaenae und der aditus maximi unmissverständlich, dass das Gebäude typologisch den «gallo-römischen» Theatern zugeordnet werden muss. Wenn wir diesem «Mediterranisierungsgrad» in der ansonsten deutlich regional geprägten Architektur der Theater nördlich der Alpen Rechnung tragen wollen, ist es bemerkenswert, dass gerade eines der – zumindest in seiner jüngsten Bauphase – offenbar am stärksten mediterran geprägten «gallo-römischen» Theater, das monumentale Bühnentheater von Epomanduodurum/Mandeure (Frankreich) just keine solchen Eingangshallen in den Eckzonen aufgewiesen hat. Im Gegenzug sind jedoch die aditus maximi auf ihrer gesamten Länge mit ca. 5,40 m sehr breit und recht repräsentativ angelegt51. Möglicherweise war das Theater von Mandeure, das mit seiner rund 142 m langen Fassade zu den grössten Bühnentheatern des römischen Reiches zählt, ganz einfach zu riesig, als dass man das statische Wagnis eingegangen wäre, die so schon stark exponierten Eckzonen noch mit grossen Eingangshallen, die zusätzliche Stützkonstruktionen in der Fassade verlangt hätten, auszustatten.
20Vergleicht man die Dispositive der aditus maximi der monumentalen Theater von Augusta Raurica und Aventicum mit den breiten, mehrstöckigen Bühnenzonen der mediterranen Theater, so lässt sich feststellen, dass die beim mediterranen Bautyp getrennten und in der Regel nebeneinander liegenden Bereiche scaena, basilicae und aditus bei den «gallo-römischen» Bauten quasi «ineinandergeschoben» und hintereinander aufgereiht waren (Abb. 18). Zudem wurde die Bühne stark reduziert und in die Zugangsachse der aditus gelegt, was die direkte, axiale Erschliessung der orchestra kappte und dazu führte, dass der Weg ins Zentrum des Theaters um die Bühne herumführte. Durch die markante Verkleinerung von Bühne und Bühnenhaus oder sogar die Aufhebung von Letzterem reduzierte sich auch die visuelle Bedeutung der scaena stark. Der kompakte Bühnenbereich wurde dadurch durchlässiger und der Interaktionsradius zwischen innen und aussen durch neben dem Bühnenhaus gelegene Türen in der Fassade oder eine komplett offene Bühne verstärkt (Abb. 18). Zudem trat in der Regel an Stelle der scaena die orchestra stärker ins Zentrum der Aktivitäten und der Zugang zu dieser konnte je nach Nutzung und Inszenierung über unterschiedliche Wege – via adius maximi, via Türen in der Fassade oder via Treppen und Gänge in der cavea – erfolgen52. Vermutlich ist es nebst der breiter und multifunktionaler angelegten Nutzung gerade diese Vielschichtigkeit, die dazu führte, dass bei einer Mehrzahl der «gallo-römischen» Theater die aditus maximi weitgehend oder sogar vollständig fehlten.
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Notes de bas de page
1 Zum politischen Status und der Entwicklung der verschiedenen Orte in römischer Zeit vgl. Berger 2012, S. 17‑32 (Augusta Raurica); Castella et al. 2015, S. 9‑14 (Aventicum); Nyffeler 1988, S. 9 f. (Lentia); Furger et al. 2001, S. 161‑164 (Lousonna). Als Überblick zu den römischen Theaterbauten in der Schweiz jüngst Hufschmid 2019.
2 Da der Begriff nicht in historisch-ideologischem Sinn, sondern als fachlicher Terminus für einen in einem bestimmten geographischen Gebiet verbreiteten Architekturtyp dient, ist er im folgenden Text in Anführungszeichen gesetzt. Zur Diskussion um die Verwendung des vor allem in Frankreich forschungsgeschichtlich belasteten Begriffs vgl. Hufschmid, Späth 2016, S. 253 mit Anm. 4.
3 Für Augusta Raurica vgl. Hufschmid 2012, S. 106 mit Abb. 98; 112‑114; Hufschmid 2016a, S. 183‑188 mit Abb. 9; 10; 16; für Aventicum vgl, Bridel 2016, S. 162‑166; Matter 2009, S. 175‑183.
4 Nyffeler 1988, S. 10 (Lenzburg); Eschbach 2011, S. 100 (Lausanne).
5 Zur Chronologie und der Beschreibung des gesamten Bauwerks Nyffeler 1988, S. 83‑118.
6 Nyffeler 1988, S. 106; S. 113.
7 Nyffeler 1988, S. 84 mit Abb. 92; 93; Beil. 6.
8 Eschbach 2011, S. 112 f.
9 Eschbach 2011, S. 105 mit Abb. 2; S. 105 mit Abb. 2; S. 111. Zum Theater im Tempelbezirk von Trier-Altbachtal vgl. Gose 1972, S. 102‑109; Abb. 185; S. 189; S. 191; S. 209‑215.
10 Eschbach 2011, S. 112.
11 Zur Chronologie und Baubeschreibung vgl. Hufschmid 2012, S. 105‑117; Hufschmid 2019, S. 164‑168; Hufschmid 2007, S. 63‑69.
12 Hufschmid 2016a, S. 178 mit Abb. 3b; Hufschmid 2019, S. 165 mit Abb. 3b.
13 Hufschmid 2012, S. 108 f.; S. 128‑130; Hufschmid 2019, S. 164; Hufschmid 2007, S. 65‑69.
14 Hufschmid 2012, S. 110‑114; Hufschmid 2016a, S. 178 mit Abb. 3d; Hufschmid 2019, S. 165 mit Abb. 3d; S. 167 f; Hufschmid 2007, S. 67 mit Abb. 16.
15 Hufschmid 2016a, S. 180‑182.
16 Hufschmid 2012, S. 87 mit Abb. 70; S. 89‑93; Hufschmid 2007, S. 67 mit Abb. 15.
17 Zum römischen Theater von Aventicum grundsätzlich Matter 2009; vgl. aber zusätzlich zu den neuesten Forschungen in Verbindung mit den seit 2012 laufenden Restaurierungsarbeiten auch die Vorberichte im Bulletin de l’Association Pro Aventico (Hufschmid, Terrapon 2013; Hufschmid 2014, S. 222‑240; Hufschmid 2016b, S. 161‑169; zusammenfassend auch Hufschmid 2017, S. 183‑187).
18 Hufschmid 2014, S. 231‑237; Hufschmid 2017, S. 183‑185 mit Abb. 14 f.; Castella et al. 2015, S. 65‑67 mit Abb. 90; S. 93. Die Rekonstruktionsvorschläge bei Matter 2009, S. 151‑153 mit Abb. 146 f. und S. 159‑162 mit Abb. 150 f. sind angesichts des neusten Forschungsstands heute obsolet.
19 Bridel 2016, S. 162‑165; Matter 2009, S. 170‑177; Bridel, Matter 2008, S. 54‑57.
20 Zusammenfassend Castella et al. 2015, S. 58; grundsätzlich zum Cigogniertempel Bridel 1982.
21 Matter 2009, S. 110.
22 Hufschmid 2014, mit Abb. 3; Hufschmid 2016b, S. 162‑165 mit Abb. 7; 14.
23 Hufschmid, Terrapon 2013, S. 272‑282, bes. 279‑281 mit Abb. 21‑24; Hufschmid 2017, S. 183 f. mit Abb. 217.
24 Hufschmid 2019, S. 172; Hufschmid 2017, S. 186‑189; Hufschmid 2016a, S. 183‑187.
25 Die Länge des spätestens ab dem frühen 2. Jh. in den germanischen Provinzen regelmässig verwendeten Drusianischen Fusses (pes drusianus) liegt bei 33,333 cm. Das Fussmass steht in direkter Abhängigkeit zum Römischen Fuss (pes montalis), so dass 8 pd ziemlich genau 9 pm entsprechen. Zum pes drusianius und zum Nachweis seiner Verwendung im Theater von Aventicum, Matter 2009, S. 150 mit Anm. 1001 (mit weiterführender Literatur), zur Metrologie der aditus, Hufschmid, Terrapon 2013, S. 280‑282.
26 Hufschmid, Terrapon 2013, S. 276‑280.
27 Vgl. hierzu und im Folgenden Hufschmid 2014, S. 223‑228; Hufschmid 2016b, S. 161‑165.
28 Auf alten Fotografien aus dem Jahr 1927/1928 sind ähnliche Befunde an vergleichbarer Stelle zudem auch für die nordöstliche Eingangshalle erschliessbar (vgl. Hufschmid 2016b, S. 164 mit Abb. 11).
29 Hufschmid 2014, S. 225 mit Abb. 6; 7.
30 Hufschmid 2016b, S. 164‑166.
31 Vgl. hierzu auch Abb. 7a und c, wo allerdings die im Südosten über den Hallen zu rekonstruierenden vomitoria zur 2. praecinctio aus Gründen der Lesbarkeit nicht eingezeichnet sind (auf dem Plan Abb. 7a sind somit bloss 13 der insgesamt 15 geplanten vomitoria sichtbar; analog dazu zeigt der Plan Abb. 7c entsprechend nur 11 der letztlich ausgeführten 13 vomitoria).
32 Hufschmid 2012, S. 87 mit Abb. 70; 89‑93 mit Abb. 79; Hufschmid 2007, S. 67 f. mit Abb. 15.
33 Hufschmid 2012, S. 87 mit Abb. 70; 89‑93; Hufschmid 2007, S. 67 mit Abb. 15.
34 Zu Baubefund und Rekonstruktion des Fensters im nördlichen aditus maximus vgl. Horisberger, Horisberger 1993, S. 73‑76.
35 Hufschmid, Horisberger-Matter 2008, S. 148‑153.
36 Hufschmid 2012, S. 91 mit Abb. 79a; S. 111 mit Abb. 102a; Hufschmid 2007, S. 67 mit Abb. 15.
37 Hufschmid 2012, S. 87 mit Abb. 70; S. 111 mit Abb. 102a.
38 Vgl. Hufschmid 2016b, S. 165 mit Abb. 14.
39 Hufschmid 2012, S. 91 f. mit Abb. 80.
40 Hufschmid 2016a, S. 178 mit Abb. 3d; Hufschmid 2012, S. 91 mit Abb. 79; Hufschmid 2007, S. 67 mit Abb. 15; 16.
41 Hufschmid 2012, S. 93 mit Abb. 81; S. 95 mit Abb. 84; Hufschmid 2007, S. 68 f. mit Abb. 17; 18.
42 Ein derartiges Entlastungssystem beschreibt bereits Vitruv, der erwähnt, dass die ins Erdreich greifenden «Stützmauern […] kammartig und wie die Zähne einer Säge angeordnet sein sollen» (fundamenta […] pectinatim disposta, quemadmodum serrae dentes solent esse, Vitruv, I, 5, 7; ausserdem auch Vitruv, VI, 8, 7).
43 Die Fassade an der Peripherie des Theaters von Augst erscheint deutlich dichter, geschlossener und weniger repräsentativ als diejenige des Theaters von Avenches. Repräsentative Dekorelemente wie Halbsäulen (wie z.B. im Theater von Mandeure: Blin, Marc 2011, S. 60‑67 mit Abb. 63‑66; Blin, Marc, Mougin 2021, S. 13‑16) oder Pilaster (wie z.B. im Theater von Avenches: Hufschmid 2014, S. 231‑234) fehlen weitgehend. Zur Diskussion mediterraner Einflüsse am Beispiel der Fassade des Theaters von Aventicum, vgl. Hufschmid 2017, S. 183‑186.
44 Aberson, Hufschmid 2012a, S. 256‑259 mit Abb. 4; Aberson, Hufschmid 2012b, S. 20‑22 mit Abb. 5
45 Eine zusätzliche Reduktion der vomitoria wäre im Fall von Augusta Raurica für die Erschliessung des gesamten Theaters höchst problematisch gewesen, da hier von Beginn weg lediglich 11 vomitoria geplant und letztlich auch ausgeführt worden sind. Im Gegensatz dazu ist die Zugänglichkeit der Sitzplätze im Theater von Aventicum mit ursprünglich 15 vomitoria grundsätzlich besser geplant gewesen, so dass der Verzicht auf zwei Zugänge und eine damit verbundene Reduktion auf 13 vomitoria funktionsmässig verkraftbar war. Zu den Erschliessungssystemen der beiden Theater vgl. Hufschmid 2012, S. 111 f. mit Abb. 102 (Augusta Raurica, jüngeres szenisches Theater), Hufschmid 2014, S. 233 f. mit Abb. 20 (Aventicum).
46 Vgl. dazu auch Hufschmid 2016a, S. 187‑190 mit Abb. 17.
47 Hufschmid 2016a, S. 183 f. mit Abb. 9; 10.
48 Zu den genannten Bauten vgl. für Dalheim: jetzt Henrich 2015; Vieil Evreux: Sear 2006, S. 231 f.; Nyffeler 1988, S. 147 (Nr. 96) mit S. 220, Taf. 8,2; Vendeuil-Caply: Sear 2006, S. 213; Nyffeler 1988, S. 147 (Nr. 94) mit S. 221, Taf. 9,2; Champlieu: Sear 2006, S. 208 f.; Nyffeler 1988, S. 131 (Nr. 25) mit S. 222, Taf. 10,1; Argentomagus: Dumasy 2000; Dumasy 2016, S. 123‑128. Für weitere Beispiele: vgl. die Kataloge bei Sear 2006, S. 196‑254 und Nyffeler 1988, S. 124‑151; S. 213‑233 mit Taf. 1‑21.
49 Vgl. beispielsweise das Theater von Dalheim, wo die noch gut erhaltenen unteren Zuschauerränge und ihr Anschluss an das Bühnendispositiv wertvolle Informationen zu den Zugangsachsen und zur Besucherlenkung liefern (Henrich 2016, S. 225‑228 mit Abb. 5; zu den Baubefunden Henrich 2015, S. 87‑116).
50 Vgl. Fincker, Thierry 1985, S. 133 mit Abb. 27; Sear 2006, S. 202. Weitere Theater mit Hallenbauten in der Fortsetzung der aditus werden durchaus existiert haben, in Ermangelung vollständiger Bauaufnahmen und detaillierter Architekturstudien ist ein Nachweis aber in vielen Fällen nicht möglich.
51 Zum Vergleich: Die Breite der Eingangshallen im Theater von Augusta Raurica erstreckte sich auf 6,65 m, wobei der lichte Abstand zwischen den vorspringenden Pfeilern, welche die stützende Gurtbogenkonstruktion trugen, 4,70 m betrug. Die entsprechenden Masse beim Theater von Aventicum liegen bei 7,35 m für die Hallenbreite und 5,35 m für den lichten Abstand der Gurtpfeiler.
52 Vgl. etwa das Theater von Ricciacum/Dalheim (Luxemburg) [Henrich 2016, S. 225‑232 mit Abb. 5; 8a] oder dasjenige von Argentomagus/Saint-Marcel (Frankreich) [Dumasy 2016, S. 125 f. mit Abb. 10].
Auteur
-
Thomas Hufschmid
IdRef : 131161636
Leiter Monumentenkonservierung, Augusta Raurica, Augst (CH)
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