Isny, Vaterstadt von Franz Ehrle
p. 7-10
Texte intégral
1 Die Stadt Isny im Allgäu und ich als Bürgermeister freuen uns sehr, dass „unser“ Kardinal Franz Ehrle in Rom mit dieser Tagung geehrt wird. Isny im Allgäu ist die Geburtsstadt von Kardinal Franz Ehrle, und wir sind stolz darauf, dass ein Isnyer ein hoher Würdenträger im Vatikan geworden ist und dort eine bedeutende Rolle gespielt hat. Gerne bin ich zu dieser Tagung nach Rom gereist, zumal es meines Wissens solch eine Würdigung der Leistungen von Kardinal Ehrle noch nie gegeben hat. So bin ich auch sehr gespannt, viele Informationen über ihn auf dieser Tagung zu erfahren.
2Isny im Allgäu liegt im äußersten Südosten Baden-Württembergs, im württembergischen Allgäu am Fuße der Adelegg an der oberen Argen (Abb. 1). Die erste urkundliche Erwähnung Isnys ist von 1042, als Bischof Eberhard von Konstanz eine Kirche weihte. 2015 feierte Isny das Jubiläum 650 Jahre Freie Reichsstadt. Geprägt wurde die Geschichte der Stadt über Jahrhunderte durch das Nebeneinander von katholischem Kloster mit Vorstadt und protestantischem Bürgertum. Leinwandhandel hat Isny einst wohlhabend gemacht, im 17. Jahrhundert endete die erste Blüte unter anderem mit dem großen Stadtbrand von 1631 (Abb. 2). Heute hat die Stadt Isny zusammen mit ihren Ortschaften etwa 14.000 Einwohner. Produzierende Gewerbebetriebe, Handwerk, Handel, Gastgewerbe und andere Dienstleistungsbetriebe bieten mehr als 6.000 Arbeitsplätze. Eingebettet in eine landwirtschaftlich geprägte, abwechslungsreiche Kulturlandschaft, mit Heilklima und mit vielen Sonnenstunden, ist Isny auch als Ferienort im Winter und Sommer sehr bekannt. Der Tourismus ist auch dank der Kurkliniken ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.
3Die Stadt hatte in ihrer Geschichte immer wieder bedeutende Persönlichkeiten in ihren Mauern, wie Heinrich von Isny, im 13. Jahrhundert Erzbischof von Mainz und Erzkanzler unter Rudolf von Habsburg, Paul Fagius, im 16. Jahrhundert bekannt als Reformator und Hebraist, oder eben Kardinal Franz Ehrle.
4Kardinal Franz Ehrle wurde am 17. Oktober 1845 in Isny als zweiter Sohn von Dr. med. Franz Ehrle (1812-1878) und seiner Frau Bertha, geb. Frölich (1818-1889), geboren.
5Zwei Gedenktafeln erinnern in Isny an Franz Ehrle: Die eine in der St. Georgs-Kirche: „Franz Ehrle SJ, Kurienkardinal, 1845 Isny/Rom 1934“, die zweite im Eingangsbereich Haus Bergtorstr. 1: „Geburtshaus des Kardinals Franz Ehrle S.J., des berühmten Bibliothekars der Päpstlichen Vaticana, geb. 17.10.1845 als Sohn des Arztes Dr. Franz Ehrle, gest. am 31.03.1934.“ (Abb. 3-4).
Abb. 1 – Isny: historische Stadtansicht von Leonhard Vonderkunz (1631)

Photo: Stadt Isny.
Abb. 2 – Luftansicht der Stadt Isny

Photo: Stadt Isny.
Abb. 3 – Gedenkinschrift für Kardinal Franz Ehrle (Geburtshaus)

Photo: Stadt Isny.
Abb. 4 – Gedenkinschrift für Kardinal Franz Ehrle in der Pfarrkirche Sankt Georg zu Isny

Photo: Stadt Isny.
6 Anlässlich seiner Ernennung zum Kardinal wurde Franz Ehrle im Dezember 1922 zum Isnyer Ehrenbürger ernannt. Die Ehrenbürgerrechtsurkunde wurde im April 1925 durch eine Abordnung des Isnyer Gemeinderats (Schultheiß Seeger, Gemeinderäte Hummler und Neuhaus) persönlich an Kardinal Ehrle in Rom übergeben.
7Sein Vater Dr. med. Franz Ehrle kam aus Wangen nach Isny und war als Amtsarzt auch der Leibarzt des Grafen Quadt-Wykradt. Er erhielt anlässlich seines 40jährigen Dienstjubiläums 1874 das Ehrenbürgerrecht der Stadt Isny „in Anerkennung seiner langen und erfolgreichen Wirksamkeit für die Armen und Kranken in Stadt und Land sowie in Anerkennung seiner Menschlichkeit, Uneigennützigkeit und nie ermüdenden Pflichttreue“.
8Kardinal Ehrles Bruder Dr. med. Carl Ehrle (1843-1917) war ab 1878 Distriktsarzt in Isny, er ging als Erfinder des Maximalthermometers und der blutstillenden Watte in die Medizingeschichte ein. 1906 wurde ihm der Titel „Sanitätsrat“ verliehen. Dr. Carl Ehrle bewohnte mit seiner Familie das Haus, das zuvor das Gasthaus zum Grünen Baum gewesen war. Heute befindet sich an dieser Stelle, gegenüber der Post, ein Parkhaus ( „Ehrle-Parkhaus“).
9Weitere Geschwister waren Otto Ehrle (1847-1924), Missionar in Indien, Wilhelm Ehrle (1849-1936), Bankier/Kommerzienrat in Ravensburg, Anna Ehrle (1850-1922), verheiratet mit Dr. med. Carl Müller, Oberamtsarzt und Medizinalrat in Ravensburg, und Friedrich Ehrle (1857-1872), im Jesuitenkolleg „Stella Matutina“ in Feldkirch verstorben.
10Die letzte Vertreterin der Isnyer Ehrle-Familie war Karola Ehrle, Enkelin des Sanitätsrats und Großnichte des Kardinals Franz Ehrle. Sie verstarb 1995 in Isny.
Auteur
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Rainer Magenreuter
Bürgermeister von Isny im Allgäu
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